Digitale Werkzeugmappenverwaltung mit der Power Platform: Wie KESSEL Transparenz und Effizienz in der Fertigung schafft

Die KESSEL SE + Co. KG ist ein international tätiger Hersteller moderner Entwässerungstechnik für Gebäude und Grundstücke. In der Kunststoffspritzerei des Unternehmens wurden Werkzeugmappen über viele Jahre hinweg ausschließlich in Papierform geführt. Die Mappen lagen in Schränken direkt in der Produktion und wurden im laufenden Betrieb handschriftlich ergänzt oder angepasst.

Mit wachsender Produktionskomplexität und -vielfalt stieß dieses Vorgehen jedoch zunehmend an seine Grenzen.

Der Zugriff auf benötigte Informationen war zeitaufwendig und nur direkt vor Ort möglich. Produktionswissen verteilte sich über zahlreiche Mappen, Ordner und Ablagen. So ließen sich Änderungen an Parametern oder Werkzeugdaten nur schwer nachvollziehen.

Die Konsequenz: Medienbrüche, hoher manueller Aufwand und eine starke Abhängigkeit vom individuellen Erfahrungsschatz einzelner Mitarbeitender.

Das Zielbild: Von papierbasierten Prozessen zur integrierten, digitalen Plattform

Vor diesem Hintergrund entschied sich KESSEL, den bestehenden Prozess grundlegend neu zu gestalten. Ziel war es, eine zentrale „Single Source of Truth“ für das Werkzeugwissen der Produktion zu schaffen und alle relevanten Informationen zu Werkzeugen, Materialien und Verarbeitungsparametern auf einer Plattform zu bündeln, die strukturiert, transparent und vor allem auch jederzeit verfügbar ist. Einfach zusammengefasst: Die papierbasierten Mappen sollten durch eine digitale Lösung ersetzt werden, die sich nahtlos in den Produktionsalltag integriert und gleichzeitig einfach und intuitiv bedienbar ist.

Gleichzeitig galt es, bestehende Systemlandschaften zu berücksichtigen, denn SAP sollte weiterhin das führende System für Material- und Artikeldaten bleiben. Und auch die Akzeptanz der Mitarbeitenden stand stark im Fokus, denn damit steht und fällt jedes Projekt. Nur eine praxisnahe und benutzerfreundliche Lösung kann sich im Produktionsalltag dauerhaft etablieren.

Die digitale Produktionsakte auf Basis der Microsoft Power Platform

Um die gesteckten Ziele zu erreichen, setzte KESSEL auf eine Lösung auf Basis der Microsoft Power Platform. Im Zentrum steht eine individuell entwickelte Power App, die als zentrale Benutzeroberfläche für die digitalen Werkzeugmappen dient.

Für jedes produzierte Bauteil wird eine zentrale Mappe angelegt, in der alle relevanten Informationen strukturiert zusammengeführt werden. Dazu zählen unter anderem:

  • das eingesetzte Werkzeug
  • die verwendeten Materialien
  • sowie definierte Verarbeitungsparameter

Diese Verarbeitungsparameter bilden die konkreten Produktionsbedingungen ab, etwa Zyklus- und Kühlzeiten, Temperaturen, Drücke, Materialgewichte oder spezifische Prozesshinweise. Ergänzend ermöglichen sogenannte ZSB-Mappen, mehrere Werkzeugmappen logisch zu bündeln – beispielsweise zur Abbildung von Baugruppen oder Varianten.

Ein weiterer, wesentlicher Bestandteil der Lösung ist die zentrale Verwaltung von Medien und Dokumenten. Bilder der produzierten Artikel, Fotos typischer Fehlerbilder und Zeichnungen werden einheitlich in SharePoint abgelegt und direkt in der App angezeigt. Der Zugriff auf Arbeitsanweisungen und Bemusterungsunterlagen ist mit einem einfachen Absprung aus der Werkzeugmappe möglich. Damit stehen alle relevanten Informationen genau dort zur Verfügung, wo sie im Produktionsalltag benötigt werden – ohne Medienbrüche, ohne lange Suchzeiten und ohne zusätzliche Ablagesysteme.

Wie schon erwähnt, werden alle Daten strukturiert in SharePoint gespeichert. Microsoft Power Automate übernimmt darüber hinaus automatisierte Prozesse wie die Bereitstellung von Stammdaten und den Export von Dokumentationen. Für die Anwender entsteht so eine durchgängig digitale Arbeitsumgebung, die sich nahtlos in den Produktionsalltag integriert.

Eine entscheidende Rolle spielt die Anbindung an SAP: Das System bleibt weiterhin die führende Quelle für Material- und Artikeldaten. Gleichzeitig werden die benötigten Stammdaten regelmäßig automatisiert in die Lösung übertragen und dort im Read-only-Modus bereitgestellt. Dieses Architekturprinzip sorgt dafür, dass SAP stabil und unangetastet bleibt, während die Produktion dennoch jederzeit auf aktuelle Daten zugreifen kann.

Das Ergebnis ist eine zentrale digitale Produktionsakte, in der alle relevanten Informationen übersichtlich gebündelt und jederzeit verfügbar sind – die neue „Single Source of Truth“ für die Fertigung.

Nutzerzentrierte Entwicklung als Erfolgsfaktor

Die Entwicklung und Einführung der Lösung erfolgten in enger Abstimmung zwischen Produktion, Qualitätsmanagement und IT. Denn von Anfang an war klar: Nur wenn die unterschiedlichen Anforderungen und Perspektiven zusammengeführt werden, kann eine Lösung entstehen, die im Produktionsalltag wirklich funktioniert.

Statt eines klassischen Top-down-Ansatzes setzte KESSEL bewusst auf eine iterative Vorgehensweise. Frühe Prototypen wurden direkt in der Praxis getestet und kontinuierlich anhand des Feedbacks aus der Produktion weiterentwickelt. So entstand Schritt für Schritt eine Lösung, die nicht nur den fachlichen Anforderungen gerecht wird, sondern sich auch im täglichen Einsatz bewährt.

Im Fokus stand dabei stets die Anwenderperspektive. Die digitale Lösung sollte sich möglichst nahtlos in die bestehenden Abläufe einfügen und für die Mitarbeitenden intuitiv nutzbar sein. Und dieses nutzerzentrierte Vorgehen erwies sich als entscheidender Erfolgsfaktor: Die Lösung wurde von Anfang an akzeptiert, aktiv genutzt und hat sich mittlerweile im Produktionsalltag etabliert.

Mehr als Digitalisierung: Eine stabile Grundlage für die Produktion von morgen

Mit der Einführung der digitalen Werkzeugmappenverwaltung hat KESSEL einen zentralen Produktionsprozess grundlegend neu aufgestellt. Informationen stehen heute zentral, strukturiert und jederzeit aktuell zur Verfügung. Aufwendige Suchen, unklare Versionen und fehleranfällige Medienbrüche gehören damit der Vergangenheit an.

Im Arbeitsalltag zeigt sich der Mehrwert besonders deutlich: Produktionsdaten sind schnell verfügbar, Änderungen nachvollziehbar dokumentiert und Abstimmungen deutlich einfacher. Gleichzeitig wird wertvolles Produktionswissen nicht mehr in einzelnen Köpfen oder verstreuten Unterlagen gehalten, sondern systematisch gesichert und für alle relevanten Rollen zugänglich gemacht.

Darüber hinaus schafft die Lösung die Basis für die nächste Stufe der Digitalisierung. Durch die zentrale Datenhaltung und die klare Struktur können neue Anforderungen schneller umgesetzt und Prozesse kontinuierlich weiterentwickelt werden.

KESSEL hat damit nicht nur bestehende Abläufe digitalisiert, sondern eine zukunftsfähige Grundlage für eine datengetriebene Produktion geschaffen. Die Success Story zeigt, wie sich auch gewachsene, papierbasierte Prozesse pragmatisch und nachhaltig transformieren lassen – mit klarem Fokus auf Nutzen, Akzeptanz und Skalierbarkeit.

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Die KESSEL SE + Co. KG ist ein weltweit führender Hersteller von Entwässerungslösungen, die in über 60 Ländern zum Einsatz kommen. Seit 1963 bietet das Unternehmen hochwertige Produkte wie Rückstauverschlüsse, Hebeanlagen und Abscheider an. Diese dienen dem Schutz von Mensch und Umwelt vor den Gefahren des Abwassers und stehen für herausragende Sicherheit und Qualität.

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